Naziszene revisited

Die hallesche Naziszene hat sich in den letzten 3 Jahren neu formiert und konnte im deutschlandweiten Rechtsruck vor allem auf sich wieder organisierende Personen bauen, die in den Jahren zuvor aus dem Aktivistenleben ausgestiegen waren.

Die erste auf sich aufmerksam machende Gruppe war die 2014 gebildete Kameradschaft „Brigade Halle Saale“ (BHS). Enstanden war sie aus der Bürgerinitiative Silberhöhe, die im Sommer rassistisch gegen zugezogene Rumänen hetzte, eine Demonstration unter dem Motto „Wir wohnen hier! Wo wohnt ihr?“ und schließlich Straßenpatrouillen organisierte. Hakenkreuzsprühereien, rassistische Beschimpfungen und Übergriffe, entglaste oder gar angezündete Fahrzeuge waren innerhalb weniger Monate zur alltäglichen Realität der erklärten Volksfeinde der Silberhöhe geworden. Nachdem all diese Schikanen nicht den gewünschten Effekt hatten, die Zugezogenen sich also nicht so einfach vertreiben ließen, bildete sich aus dem Kern der Bürgerinitiative heraus zunächst eine Bürgerwehr, dann die Brigade.

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Halle, 1. Mai 2011: Raik Wilhelm (2.v.r.), Tom Köppe (3.v.r.) Enrico Liepold (2.v.l.)

Angeführt vom bereits zuvor durch Vernichtungs- und Gewaltphantasien aufgefallenen Frank Feigl trat diese geschlossen und uniformiert vor allem bei Demonstrationen der Region auf. Am 1. Mai 2015 in Saalfeld waren mehrere Mitglieder darunter der langjährige Nazikader Tom Köppe vermummt an den Krawallen beteiligt. Neben ihm sind weitere Mitglieder bereits auf dem letzten 1.Mai-Aufmarsch in Halle zu erkennen.

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Halle, 1. Mai 2011: Frank Feigl

Die Online-Auftritte der Kameradschaft quellen von NS-Propaganda geradezu über. Ebenso regelmäßig sind dort Gewaltphantasien und -androhungen zu finden, die im Hooliganismus und Straßenschlägereien handfest werden. Vor allem die Aktivitäten der Brigade machen es attraktiv, einen Aufmarsch in Halle durchzuführen, der nicht wie bisher in der Silberhöhe oder der Neustadt in Kooperation mit „Die Rechte“ lediglich einige handvoll Nazis mobilisiert.

Weitere Informationen und Fotos zu den Mitgliedern sind unter hosenrunter.noblogs.org zu finden

Die Kleinstpartei „Die Rechte“ ist ein beständiger Kooperationspartner der Brigade und anderer Kameradschaften. Dabei spielt der 2016 gegründete lokale Kreisverband „Die Rechte Halle/Saale“ um Michael Rist, Enno Beth, Marcel Ludwig, Rolf Dietrich und Angelia Rist nur eine untergeordnete Rolle.

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Bad Nenndorf: Ulf Ringleb

So ist der Anmelder der Demonstration keiner der oben genannten sondern Ulf Ringleb aus Ilsenburg. Dieser sprang bereits als Anmelder einer 10-minütigen Demonstration durch die Silberhöhe ein, die zwischen dem örtlichen Netto und Edeka verlief. Der Vorsitzende des Kreisverbandes Harz ist beständiger Aktivist der lokalen Neonaziszene. Als Mitglied der „Nationalen Sozialisten Nordharz“ fiel er unter anderem bei HogeSa auf. Am 19. April diesen Jahres wurde er wegen Körperverletzung, Bedrohung und anderer Delikte verurteilt. Aufmerksam macht er auf sich immer wieder durch ausgeprägten Größenwahn und das Fehlen jeglicher taktischen Zurückhaltung.

…und die Mobi?

Alles in allem hat sie nach außen keinerlei Potential, mobilisiert wird vor allem in den zugehörigen Strukturen und Gruppen. So gibt es Fotos ein paar interner Szenetreffen, bei denen man sich ausnahmsweise mal mehr mit Politik als Biertrinken beschäftigt hat, dazu ein pathosschwangerer Text und vor allem Abbildungen mit Flyern; Flyer auf dem Tisch, Flyer im Briefkasten, Flyer mit Hand; ein vermummter Ulf Ringleb mit Flyern in der Hand. Offensichtlich sah sich dadurch die Eisenacher Nazi-Sprayercrew rund um Kevin Noeske und Leon Ringl genötigt, dem Ganzen einen modernen Anstrich verpassen zu wollen. Das Innere des Abrisshauses als Ort des „Mobigraffitis“ verpasst den Beteiligten der Demonstration am 1. Mai einen passenden Rahmen. Zu den Mobivideos möchte man da fast kein Wort mehr verlieren, diese schwanken stumpf zwischen NS-Propaganda von Robert Ley und dem verzweifelten Versuch modern zu wirken, eine absolut erfogsversprechende Kombination!

Weiterhin sei auf die Nazis von Kontra-Kultur Halle, einer Ortsgruppe der Identitären Bewegung hingewiesen.

Auch das Männlein ohne Hals sollte man auf dem Schirm haben:
Sven Liebich – Chronik eines Nichtausstieges

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Sven Liebich (Betreiber des Nazi-Blog „Halle-Leaks“)

Für einen Überblick zu den Hallenser Neonazis checkt:

1. Brigade Halle (Saale) und ihr nahestehende Personen

2. Kontrakultur Halle (Saale) – Identitäre Bewegung Halle (Saale)

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Mario Alexander Müller weitere Informationen: https://linksunten.indymedia.org/de/node/30157

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